Hausbesuch: Neues YouTube Studio in New York

Adam Relis gibt sich bescheiden: “Jeder Raum lässt sich mehrfach nutzen”, sagt der Chef der brandneuen Studios von YouTube in New York. “Sogar auf den Klos können wir drehen”. Die Google-Tochter hat für ihr mittlerweile viertes Video-Studio nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Nach Los Angeles, London und Tokio hat nun endlich auch die amerikanische Ost-Küste ein eigenes YouTube-Studio. Auf knapp 2.000 Quadratmetern können hier Videomacher aus dem Vollen schöpfen. Wer mitmachen will, benötigt nicht einmal Geld. Einzig 5.000 Abonnenten sind notwendig, um das neue Studio mitten im feinen New Yorker Stadtteil Chelsea kostenlos nutzen zu können. YouTube verfolgt damit eine clevere Strategie: Es pflegt seine Community und hilft ihr, noch besser produzieren zu können, was Machern wie Plattformbetreibern zum Vorteil gereicht.

Raumkonzept: Jeder Raum kann doppelt genutzt werden
Im 5. Stock eines ehemaligen Lagerhauses ist der hochmoderne Studiokomplex untergebracht, der es vermutlich mit jedem “normalen” TV-Studio in Deutschland aufnehmen könnte. Neben Schnitträumen, in denen man wählen kann, ob man mit Avid, Final Cut oder Premiere CC sein Video schneiden möchte, gibt es ein gutes dutzend Schulungsräume. Im einen lernt man Schnitttechniken und den sparsamen Einsatz von Effekten, in einem anderen Raum kann man einen Kurs besuchen, wie man eine Filmszene dramaturgisch richtig aufbaut. Manchmal kommt es vor, dass einer der Konferenzraum doppelt genutzt wird, und man inmitten eines Rittersaals einen Kurs zur richtigen Beleuchtungstechnik besucht. “Der Platz ist knapp”, sagt Relis, “deshalb versuchen wir alle Räumlichkeiten optimal auszunutzen”.

Profi-Equipment
Und wenn es am professionellen Filmequipment fehlt: Direkt am Studioeingang kann man sich die neuesten DSLR-Kameras von Canon mit samt teurer Kino-Objektive von Zeiss leihen. Die Stative sind von Sachtler und die Aufnahme-Rekorder für die volle Farbaufzeichnung stammen von Atomos. Einzig die Menschen, die hier ihre Videos produzieren sollen, sind nicht unbedingt Abgänger von Filmhochschulen oder ausgebildete Kameraleute oder Tontechniker. In der Regel haben sich die Videomacher ihre Kenntnisse selbst angeeignet.

Bei der Videoplattform betont man, dass in den anderen Studios bereits mehr als 30.000 YouTuber 450 Workshops besucht hätten. Herausgekommen seien mehr als 6.000 Videos, die rund 750 Millionen mal angesehen worden seien. New York will nun auch seinen Teil beitragen und vor allem Inhalte aus den Bereichen Mode, Musik und Szene herstellen.

Die Demokratisierung der Produktionsmittel…
Studio-Chef Relis legt Wert darauf, dass man sich in die Inhalte nicht einmische. Ziel sei es, die Kreativen noch fitter zu machen. “Wir wollen auch die Produktion demokratisieren”, gibt Relis als Ziel aus. Selbst teure Produktionen sollen sich mit Hilfe der Videoplattform realisieren zu lassen. Die Youtuber sollen lernen, wie sie noch professioneller und mit einer professionellen Ausstattung erfolgreich Videos produzieren können. Natürlich bietet die Videoplattform seine kostenlosen Dienste nicht aus reinem Selbstzweck an: Das Unternehmen verdient mit vorgeschalteter Werbung Geld an jedem angesehenen Video. Die Plattform bekommt 45 Prozent der Werbeeinnahmen, der Uploader des Videos erhält 55 Prozent. Pro 1.000 Videoabrufe lassen sich damit knapp 2 Euro verdienen.

Das Herzstück des New Yorker Studios ist eine moderne TV-Regie, aus der sich jedes Studio in dem Komplex ansteuern lässt. Aber nicht nur die Live-Mischung einer Webisode ist hier möglich. Alle YouTube Studios sind mit Glasfasernetz verbunden und könnten damit live ins Web senden. Doch das Mutterhaus Google hat mit YouTube nicht vor, einen linearen TV-Kanal aufzubauen. Diese Zeiten sind vorbei.

Die Macht der Communities
YouTube will mit dem fast weltumspannenden Netz an Produktionsstudios vor allem seine Community pflegen. Hier gibt es längst Stars, die im linearen Fernsehen kaum einer kennt, auf der Videoplattform sind sie jedoch Stars mit monatlich Millionen von Abrufen. Einer davon ist der 25jährige Felix Kjellberg aus Schweden, der auf über 30 Millionen Abonnenten kommt und Videospiele bespricht. Oder die 29jährige Grace Helbig, die von ihrem YouTube Kanal “It’s Grace” sehr gut leben und auf Angebote des klassischen Fernsehens verzichten kann. “Fernsehen schafft keine Gemeinschaft, keine Community. Es schafft Fernsehzuschauer. YouTube dagegen schafft Communities, die meiner Ansicht viel mächtiger sind”.

2 Gedanken zu “Hausbesuch: Neues YouTube Studio in New York

  1. Netter Überblick.
    Erstaunlich das Youtube eine nahezu komplette Infrastrucktur stellt.
    Weniger schön natürlich für uns Dienstleister die genau mit diesem Knowhow ihr Geld verdienen.
    Interressant wäre die Preisgestaltung zu wissen.
    … das wird doch sicherlich nicht kostenfrei zu Verfügung gestellt ??

  2. […] Valley Report (Bayrischer Rundfunk) Beitragsbild von […]

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