Ausrüstungs-Tipps für Journalisten: Multimediales broadcasten

Kollegen aus der ARD haben mich die vergangenen Wochen immer wieder gefragt, welches Equipment ich einsetze, um für Online, Hörfunk und Fernsehen zu berichten. Los geht’s:

=== Online ===

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Mein liebstes Tool ist der Windows Live Writer von Microsoft. Perfekt, um schnell Fotos und Texte in das eigene Blog hochzuladen. Man muss nicht großartig formatieren. Foto reinziehen, vielleicht einen kleinen Rahmen drum rum. Fertig. Vor allem, wenn eine Geschichte fortlaufend aktualisiert werden soll, ist die kostenlose Software ungemein praktisch. Wie der Name schon sagt, der Live Writer läuft nur unter Windows und setzt WordPress voraus. Es ist egal, ob die Seite bei wordpress.com gehostet wird oder auf dem eigenen Web-Space.
Windows Live Writer

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Das kostenlose Snagit (Windows) hilft, wenn man schnell von einer Website einen Screen Shot anfertigen muss. Die Software läuft stabil und ist in der Handhabung recht einfach. Alternativ empfiehlt sich Monosnap. Hier lassen sich Fotos im Hintergrund gleich auf den eigenen Webspace hochladen.
Snagit
Monosnap

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Manchmal ist es wichtig, eine Videoaufnahme von einer Website anzufertigen. Leider gibt es kein ideales Werkzeug dafür. Entweder kosten sie richtig viel Geld oder sie haben irgendeinen Makel. Ich habe lange “Camtasia” von Techsmith eine Chance gegeben. Aber die Software ist mir einfach zu umständlich. Quick und trotzdem gut, schlägt sich hingegen “BB FlashBack Standard Edition”. Kostet um die 80 Euro. Damit lassen sich Videos unkomprimiert im AVI-Format aufnehmen.
BB FlashBack Standard Edition

=== Radio ===

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”Luci Live” ist die vermutlich beste Voice Over IP Software, die es derzeit auf dem Markt gibt. Sie ist in der Bedienung einfach und schnörkellos. Mit ihr kann ich Live-Gespräche in höchster Studioqualität mit den ARD-Radiosendern führen und dass zu einem Preis, der zu ISDN-Zeiten mit herkömmlichen MP2-Codecs nie zu erreichen gewesen wäre. Luci Live ist ein “Must Have” für jeden, der fürs Radio arbeitet oder mit Freunden einen Podcast macht. Das schöne an der guten Luci: Sie ist gibt es für das iPhone, für Android und natürlich den Windows PC. Hinter Luci Live stecken zwei holländische Programmierer, die die Software ständig aktualisieren . Ich verwende eine gedongelte Version auf USB-Stick. Preis: Knapp 350 Euro. Es gibt andere Hersteller, die sind allerdings oft teurer und im Funktionsumfang eingeschränkt. Tipp für alle Radio-Menschen, die für die ARD und das Deutschlandradio arbeiten: Fragt in Euren Häusern nach einer “ARD SIP-Nummer”.
Luci Live Website

Disclaimer: Luci Live war vor drei Jahren für ein halbes Jahr Sponsor meines privaten Geek-Week-Podcasts.

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Nicht mehr missen möchte ich “Jade Studio” von Lawo. Lawo ist eigentlich für Hardware bekannt. Der Hersteller aus dem badischen Rastatt baut im Hauptgeschäft Radio- und Studiopulte und genießt einen exzellenten Ruf. Seit gut einem halben Jahr ist Lawo mit Jade Studio auf dem Markt. Diese Software richtet auf dem Windows-PC ein virtuelles Mischpult ein. Sprich: es greift alle im PC auflaufenden Tonquellen ab und schickt sie in das Mischpult, wo man sie mischen kann. Einmal richtig konfiguriert, spart man sich viel Hardware. Auf dem Markt habe ich nichts vergleichbares entdeckt.
Jade Studio von Lawo

Disclaimer: Hersteller Lawo unterstützt meinen privaten Geek-Week-Podcast, im Gegenzug habe ich eine kostenlose Jade Lizenz erhalten.

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Wer Audio in höchster Qualität am PC produzieren möchte, benötigt ein professionelles Audio-Interface. Ich habe mich für das zwei Zigarettenschachteln große RME Babyface entschieden. Ein Audio-Gerät, das via USB mit dem Computer verbunden wird. Aktive Lautsprecher, zwei Mikros und ein Kopfhörer sind mit professionellen XLR-Steckern bzw. Klinken-Steckern an das Gerät angeschlossen. Das Gerät kommt aus Bayern(!), sieht schick aus, hat allerding seinen Preis: Rund 550 Euro muss man für das Interface ausgeben. Gut gefällt mir, dass ich es auch leicht in meinen Rucksack packen und unterwegs an mein Notebook anschließen kann.
RME Babyface

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Ich liebe drei Mikros: An mein Brauner Phantom Classic kommt nicht mal das legendäre Neumann U87. Der Klang ist weich und voll. Das hat aber auch seinen Preis: Rund 1.000 Euro sind fällig für eines der besten Mikros “Made in Germany”. Wichtig ist allerdings auch der Mikro-Vorverstärker. Hier verwende ich ein Universal 610. Achtung Raumklang.
Brauner

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Mein zweitliebstes Mikro ist das Rode NT1A – ein ausgesprochen günstiges Großmembran Mikro zu einem wahnsinnig guten Preis. Rund 150 Euro muss man für dieses aus Australien kommende, sensationell rauscharme Mikro anlegen. Achtung, auch hier muss man auf den Raumklang achten. Gut sind kleine Räume mit Teppich.

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An dritter Stelle steht ein Mikro, das zum Autozubehörhersteller Bosch gehört: Das Elektrovoice RE 27 (Preis rund 400 Euro) ist ein so genanntes dynamisches Kondensator-Mikro und verzeiht so manches Umgebungsgeräusch. Dafür erhält man keinen so satten, fetten und vor allem “crispen” Klang wie beim Brauner, muss aber auch nicht auf eine schalloptimierte Umgebung großartig acht geben. Wichtig ist beim RE27 allerdings ein fetter Preamp. Das RME Babyface ist hier zu schwachbrüstig. Es gibt allerdings einen Trick: Ich habe einen Cloudfilter vorgeschaltet, der den Gain nochmals deutlich anhebt. Preis: rund 150 Euro.

Bei Kopfhörern gibt es für mich nur einen Hersteller: Beyerdynamic aus Heilbronn. Die MitarbeiterInnen bauen einfach die besten Kopfhörer der Welt. Punkt. Ich verwende seit Jahren einen Beyerdynamic DT 770. Preis: Rund 130 Euro.

Als Software zum Bearbeiten von Audio setze ich seit Jahren auf die Creative Suite von Adobe und verwende zur Tonbearbeitung Audition. Das ist ein Mehrspur-Schnittsystem, mit dem sich vom einfachen Nachrichtenbeitrag bis hin zum komplexen Feature alles produzieren lässt. Vor allem, wer mehr machen will als nur O-Töne zu schneiden und ein oder zwei Spuren miteinander zu mischen, wird von der Software begeistert sein.

=== TV ===

frontpage.jpg (1280×960) - Google Chrome 2014-12-05 01.23.02 Meine Lieblingskamera ist die Canon 5d MK III. Eigentlich ein Fotoapparat, mit dem sich aber auch sehr gut filmen lässt. Die Bildqualität ist herausragend. Wer aktuell und noch dazu allein arbeitet, benötigt etwas Einarbeitungszeit. Für zügige Ergebnisse verwende ich häufig das lichtstarke 24 – 105 Zoom-Objektiv von Canon. Ich nutze die 5d meistens ohne Rig und Follow Focus. Dafür aber, wenn es die Zeit zulässt, auf dem Stativ. Wenn man eher unbemerkt filmen möchte, ist ein Stativ natürlich hinderlich.

Ninja-Blade1 Die Videoaufnahmen speichere ich auf CF-Karten in der Kamera. Sie sind für mich aber nur eine Back-Up-Lösung. Die eigentlichen Aufnahmen gehen direkt auf eine 240 GB SSD Festplatte, die in ein Ninja Blade Recorder eingebaut ist, der auf den Blitzschuh der Kamera montiert ist. Das Videosignal der 5d wird am HDMI-Anschluss abgegriffen. Der Vorteil: Man kann wahlweise im Avid DNxHD Codec oder mit dem Apple ProRes Codec ebenfalls mit 4:2:2 aufnehmen. Anfangs dachte ich, der etwas größere Monitor sei eine echte Steigerung zum Display der 5d. Das ist leider nicht so. Ich verwende meist einen Zusatzsucher auf der 5d und verwende den Monitor des Ninja Blade eigentlich nur zur Kontrolle fertiger Aufnahmen.

Google Image Result for http___i.kinja-img.com_gawker-media_image_upload_s--fN-QRSyr--_18kqs32b0y6fujpg.jpg - Google Chrome 2014-12-05 01.24.46 Den Ton nehme ich mit dem Zoom H6 Rekorder auf. Er ist ein Mini-Fieldrecorder, an dem man bis zu sechs Spuren gleichzeitig aufnehmen kann.  Ich verwende nie den Ton aus der Kamera, sondern nehme alles im Zoom Rekorder auf, an den ich sowohl drahtlose als auch kabelgebundene Mikros anschließen.

Adobe Premiere CC ist für mich das derzeit beste Videoschnittsystem auf dem Markt. Adobe entwickelt die Software laufend weiter. Sie kennt viele Videoformate, die man nativ direkt bearbeiten kann. Besonders leicht lassen sich die getrennt aufgenommenen Videos und Audios zusammenfügen und exakt synchronisieren. Dazu man man ein Video sowie mögliche Audiofiles auswählen und auf zusammenfügen klicken. Voila.

B_IBC12_Teracue_1 Wer über eine Internetleitung mit einer Upload-Geschwindigkeit größer 4 MBit verfügt, kann einen Encoder einsetzen, mit dem sich HD-Videobilder übertragen lassen. Beim Bayerischen Rundfunk verwenden wir Encoder und Decoder von Teracue. Mit dem ENC 300 – an eine Videokamera angeschlossen per SDI oder HDMI – lassen sich astreine Live-Schalten in Broadcast-Qualität vornehmen. Es wird keine teure Satellitenleitung benötigt. Das Gerät ist so große wie eine DinA 5 Seite.

3 Gedanken zu “Ausrüstungs-Tipps für Journalisten: Multimediales broadcasten

  1. Vielen Dank für die klasse Zusammenstellung!

  2. Großartige Zusammenfassung, vor allem die Kopfhörer werde ich mir bei Gelegenheit mal genauer anschauen. Ich habe seit kurzem den Zoom H6, benutze ihn aber bisher mit einfachen Apple EarPods.

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